Flip Flops, Zehentrenner und die Geschichte dahinter

Flip Flops, Zehentrenner und die Geschichte dahinter - Flip Flops & Zehentrenner: Geschichte, Oxbow & Cool Shoe

Flip Flops oder Zehentrenner

Von Ägypten über Biarritz bis San Clemente - die Geschichte der lässigsten Sohlen der Welt

Kaum ein Schuh ist so simpel, so demokratisch, so allgegenwärtig - und hat dabei eine derart verästelte Weltgeschichte. Der Flip Flop, auf Deutsch Zehentrenner oder Zehenstegsandale, verbindet alte Kulturen mit moderner Surfkultur.

Jahrtausende alte Sohlen

Die Zehenstegsandale ist kein Phänomen des 20. Jahrhunderts. Archäologen haben vergleichbare Konstruktionen im alten Ägypten nachgewiesen - Sandalen mit einem Steg zwischen den Zehen gelten als eine der ältesten Schuhformen der Menschheit, über 3.000 Jahre alt. Auch in Japan waren diese Sandalen, dort Zōri genannt, seit Jahrhunderten die klassische Alltagsfußbekleidung.

Der moderne, gummierte Flip Flop hat seinen Ursprung wahrscheinlich in den 1950er-Jahren. Entweder in Japan, wo die ersten Exemplare aus Kautschuk nach dem Vorbild der Zōri produziert wurden, oder in Brasilien, das ebenfalls als Geburtsort gilt. Von dort aus eroberten die leichten Sandalen Amerika - und bekamen ihren charakteristischen Namen: das lautmalerische Flip Flop, benannt nach dem Geräusch beim Gehen.

Wissenswertes.

In Deutschland ist „Flip Flop" keine Gattungsbezeichnung, sondern eine eingetragene Marke. Stefanie Schulze entdeckte die bunten Zehentrenner in Frankreich, gründete 1998 die Flip-Flop GmbH und sicherte sich die deutschen Namensrechte. 2003 verkaufte sie die Marke an Bernd Hummel in Pirmasens. Kein anderer Schuhhersteller darf seine Zehenstegsandalen hierzulande offiziell „Flip Flops" nennen.

„In Frankreich heißen sie Tongs, in Spanien Chancleta, in Großbritannien Thongs — und überall auf der Welt klatschen sie mit demselben vertrauten Geräusch."

Die Chronik des Zehentrenners

  • ~1000 v. Chr. Altes Ägypten & Japan Zehenstegsandalen als älteste bekannte Schuhform; in Japan als Zōri allgegenwärtig
  • 1950er Gummi trifft Amerika Erste Gummi-Zehentrenner in Japan oder Brasilien; Massenimport in die USA; Name „Flip Flop" entsteht
  • 1962 Havaianas, Brasilien Die heute meistverkaufte Flip-Flop-Marke der Welt startet — über 2,3 Milliarden Paare seitdem
  • 1980 Cool Shoe Corporation, San Clemente Gründung in Kalifornien als Underground-Marke tief in der Surfszene verwurzelt
  • 1984 Cool Original & Europa-Debut Kooperation mit französischer Firma; Entwicklung des „Rocking Chair"-Flip Flops mit abgerundeter Sohle - ein Sofortklassiker
  • 1985 Oxbow gegründet, Pont-Audemer Isabelle Dungeon und Fabrice Valeri gründen Frankreichs erstes Surf-Fashion-Label in der Normandie
  • 1992 Oxbow & Longboard-WM Oxbow startet die World Longboard Championship neu und sponsert Surf-Ikone Laird Hamilton
  • 1993 Cool Shoe goes Biarritz Übernahme durch baskisches Unternehmen in Biarritz; europäische Entwicklung und Vertrieb
  • 1998 Flip-Flop GmbH, Deutschland Stefanie Schulze gründet die Flip-Flop GmbH und sichert sich die deutschen Markenrechte
  • 2000er Globale Salonfähigkeit Zehentrenner verlassen Strand und Bad — und landen auf Catwalk, im Büro, in der Stadt

Cool Shoe Corporation - Kalifornischer Geist, baskisches Herz

Tief verwurzelt in der kalifornischen Strandkultur startete die Cool Shoe Corporation um 1980 in San Clemente, Südkalifornien - eine Underground-Marke, die sich in der Surfszene ihren Ruf erarbeitete, bevor sie irgendjemand kannte. Die Wende kam 1984 durch eine Kooperation mit einer französischen Firma: Cool Shoe wurde offiziell in Europa eingeführt, und gleichzeitig entstand eine Idee, die zum Markenzeichen werden sollte.

Der Cool Original war keine gewöhnliche Sandale. Seine Sohle hatte eine abgerundete Form - inspiriert vom Schaukelstuhl, auf Englisch rocking chair - was ein leichtes Abrollen beim Gehen ermöglichte. Die Surfer liebten ihn sofort. Er passte zur Kultur: funktional, eigenständig, ein bisschen anti-establishment.

1993 übernahm ein Unternehmen aus Biarritz, dem atlantischen Herz der europäischen Surfszene, die Marke. Seitdem wird Cool Shoe von dort aus entwickelt und vertrieben - heute unter der Leitung von Daniel Marthan. Das Sortiment umfasst längst mehr als Flip Flops: Sandalen für Frauen und Kinder kamen 1998 dazu, Skate- und Casual-Schuhe im Jahr 2000. Doch das Versprechen bleibt: kreative Originalität, Qualität, faire Preise.

Oxbow — Vom Ärmelkanal in die Surfwelt

Während Cool Shoe in Kalifornien entstand, wurde Oxbow 1985 im nordfranzösischen Pont-Audemer gegründet - von Isabelle Dungeon als künstlerische Leiterin und Fabrice Valeri, einem passionierten Surfer. Ihr erklärtes Ziel: komfortable und originelle Kleidung für Skifahrer und Snowboarder schaffen. Doch bald weitete sich der Blick.

Oxbow positionierte sich konsequent als Boardsport-Marke - Surfen, Schnee, Wind - und wuchs zu einem international anerkannten Namen. 1992 belebte die Marke die World Longboard Championship neu und holte sich Surflegende Laird Hamilton als Gesicht. Heute gehört Oxbow zur Unternehmensgruppe Lafuma und hat seinen Hauptsitz in Mérignac bei Bordeaux.

Beide Marken wurden in einer Zeit geboren, als Surfkultur noch Subkultur war -  als man ins Wasser musste, um zu verstehen, worum es ging. Beide setzten auf Eigenständigkeit statt Massenappeal, auf atlantischen Geist statt globales Branding. Und beide kleiden ihre Fans bis heute in dem Bewusstsein, dass der beste Schuh für den Strand derjenige ist, dem man es ansieht, dass er nie für die Vitrine gedacht war.

Der Zehentrenner heute

Was einst als schlichtes Badeschuh-Accessoire galt, ist längst Kulturobjekt. Designer-Kollaborationen, orthopädisch optimierte Sohlen, recycelte Materialien - der Flip Flop hat sich in alle Richtungen entwickelt, ohne seine Kernidee zu verlieren: Freiheit für den Fuß, Luft zwischen den Zehen, das leise Versprechen von Sommer. Cool Shoe und Oxbow stehen dabei für eine bestimmte Lesart dieser Freiheit - die atlantische, die von Wellen und Wind erzählt, nicht von Pool-Landschaften und Hotelterrassen. Wer ihre Sohlen trägt, trägt ein Stück dieser Geschichte mit sich - von San Clemente über Biarritz bis irgendwo, wo das Wasser anfängt.


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